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Zwiegespräch:
Auf
dem Teich schwimmen die kleinen Entchen. Sie sind erst wenige Stunden alt.
Es sieht fast so aus, als würden sie über das Wasser laufen, so schnell sind
sie, und immer wieder springen sie schräg nach vorn in die Luft, bis sie
nach einer halben Stunde so müde sind, dass sie zur Entenmutter zurückkehren
und sich unter ihren Flügeln aufwärmen.
"Du, Grossvater, was
machen die kleinen Entchen da, warum schwimmen die so schnell hin und her
und warum springen sie immer aus dem Wasser?"
Und Grossvater erklärt:
"Schau mal, die kleinen Entchen wollen doch jetzt leben, und dazu müssen sie
fressen. Bei den Entchen ist das anders, als bei den Dackelbabys im
Körbchen. Die Dackelbabys sind noch blind, wenn sie zur Welt kommen, und
können auch noch nicht laufen. Immer, wenn sie hungrig sind, gibt ihnen die
Dackelmutter Milch. Du hast auch, als Du ein Baby warst, von Deiner Mutter
Milch bekommen. Die Entenmutter kann aber keine Milch geben, und der grosse
Schöpfer, der alles geschaffen hat und über alles wacht, hat das so
eingerichtet, dass die Entchen sich gleich, wenn sie aus dem Ei geschlüpft
sind, selbst um das Futter kümmern müssen. Dazu müssen sie gleich sehr gut
sehen können und sich ganz flink auf dem Wasser bewegen können. Das Futter,
ohne das die Entchen in den ersten Tagen nicht leben können, liegt nämlich
nirgendwo bereit, sondern ist selbst auf flinken Flügeln unterwegs - das
sind die vielen kleinen Insekten, die über dem Wasser fliegen. Immer wenn
eine Mücke oder ein anderes Insekt so niedrig fliegt, dass das Entchen es
mit einem Sprung erwischen kann, macht das Entchen einen Satz, schnappt zu
und hat wieder etwas erbeutet. Und wenn die Entchen genug Insekten
gejagt haben und die kleinen Mägen gefüllt sind, schwimmen Sie zurück zur
Entenmutter und ruhen sich unter ihren Flügeln aus, bis sie wieder Hunger
haben. Später, wenn die Entchen grösser sind, wird ihnen die Entenmutter
zeigen, wie man auch unter Wasser jagen und Beute machen kann. Schnell haben
die Entchen gelernt, zu tauchen und unter Wasser Jagd auf Larven,
Kaulquappen und kleine Fische zu machen."
"Dann sind ja die Entenbabys schon
richtige Jäger"
Und Grossvater erklärte.
"Ja, das sind sie, weil der grosse Schöpfer aller Dinge die Jagd als ganz
wichtig für das Leben geschaffen hat. - So, aber nun ist es Zeit, zu Bett zu
gehen, Schluss für heute."
"Grossvater, noch ein
Viertelstündchen, lass uns noch den Schwalben zuschauen, damit wir wissen,
wie morgen das Wetter wird."
Ganz weit oben, hoch über dem Teich, zogen die Schwalben in der Abendsonne
ihre Kreise, flogen mal langsamer, dann wieder schneller.....
"Du, Grossvater, das Wetter wird
morgen wieder schön - aber was ich nicht verstehe - woher wissen die
Schwalben das und wieso zeigen sie uns das so an?" Und
wieder erklärt der Grossvater:
"Immer wenn wir hohen Luftdruck haben,
dann fliegen die meisten Insekten ganz hoch oben. Ähnlich, wie die Entchen,
können die Schwalben selbst nur leben, wenn sie Insekten fangen. Und weil
die jungen Schwälbchen im Nest noch nicht selbst sofort fliegen und Insekten
jagen können, müssen die Eltern für sie mit jagen. Immer, wenn sie genug
gefangen und im Kropf gesammelt haben, fliegen sie zum Nest und füttern ihre
Jungen. Ohne die erfolgreiche Jagd der Eltern müssten die jungen Schwälbchen
verhungern. Und weil hoher Luftdruck gutes Wetter bedeutet, und bei hohem
Luftdruck die Insekten ganz hoch oben fliegen, jagen auch die Schwalben ganz
hoch oben - und die Menschen sagen, dass das Wetter schön wird, weil die
Schwalben so hoch fliegen. - So, nun aber ab ins Bett!"
Am nächsten Morgen: Grosses Geschrei -
ein kleines Entchen fehlt und der Enkel hat gesehen, wie die verwilderte
Katze, die hier in der Gegend herumstreicht, das Entenkücken gerissen und
weggeschleppt hat.
"Grossvater, komm schnell mit dem Gewehr und schiess
die Katze tot, die hat ein Entchen ermordet, schnell, schnell, schiess sie
tot!"
Und Grossvater muss nun ein ganz grosses Problem lösen:
"Weisst Du, wo die Katze zu Hause ist? Ich will es Dir
erklären. Da war einmal eine alte Frau, der hat die Katze gehört. Nun ist
diese alte Frau gestorben, und niemand will die Katze haben, und sie lässt
sich auch nicht einfangen. Damit die Katze leben kann, muss sie also
fressen, und wenn ihr niemand etwas gibt, muss sie jagen, Mäuse, Vögel und
anderes Getier. Sicherlich hat sie gerade Katzenbabys irgendwo versteckt,
und nicht mehr genug Milch für Ihre Babys. Damit die Katzenbabys nicht
verhungern, muss die Katzenmutter auf Jagd gehen. Dabei musste bei uns ein
Entenbaby sterben, damit die Katzenbabys leben können. Ist die Katze darum
böse? Hat sie ein Unrecht begangen?"
"Aber warum frisst Krauses Katze keine Vögel?
Immer wenn der Butschi aus dem Käfig herausfliegt, dann verkriecht sich die
Minka und hat richtig Angst vor dem Kanarienvogel!"
"Nun, Krauses Minka ist eine besondere
Katzenrasse, sozusagen etwas künstliches, von Menschen geschaffen. Die
Menschen haben so lange herumgezüchtet, bis diese arme Katzenrasse verlernt
hat, zu jagen. Da haben Menschen dem grossen Schöpfer ins Handwerk gepfuscht
- zur Strafe kann ihr Kunstgeschöpf nicht ohne fremde Hilfe leben. Stell Dir
vor, Minka wäre eines Tages auch allein und müsste für sich selbst sorgen -
sie würde elend verhungern, nur weil sie nicht mehr jagen kann."
"Grossvater, Ich verstehe jetzt schon etwas,
warum Jagd sein muss, aber Du sagst immer 'der grosse Schöpfer', kann
man dafür auch 'Gott' sagen?"
"Ja, man kann, und
sollte es auch viel öfter tun, überall treffen wir ihn an, bei jeder Blume,
bei jedem Schmetterling - nichts geschieht ohne seinen Willen - auch die
Jagd nicht."
"Aber Grossvater, warum bist Du denn
Jäger? Der Katze will ich verzeihen, weil sie nicht anders für ihre Babys
sorgen konnte, aber wir essen heute Würstchen mit Kartoffelsalat, und dafür
musste niemand jagen."
"Ja, ja, die Würstchen kommen aus der
Dose - aber bevor sie da hinein kamen, musste auch ein Schwein sein Leben
lassen. Und wenn wir heute Nachmittag in den Wald gehen und den Schatten der
hohen Bäume geniessen, dann will ich Dir erklären, warum die Bäume so hoch
werden konnten und wie das mit den Rehen und den Bäumen zusammenhängt, und
dass es ohne den Jäger und die Jagd bald keine hohen Bäume mehr gäbe. Aber
frage mich, so oft und so viel Du willst über die Jagd aus. Je mehr ich Dir
erklären kann, um so sicherer bin ich, dass auch Du einmal als guter Jäger
Deinem Enkel die Jagd erklärst."
Fortsetzung folgt
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