Über kaum ein
Lebensmittel wird so viel geschrieben, wie über Wildbret.
Über kaum ein anderes Lebensmittel wird so viel dummes Zeug verbreitet
und immer das "besondere" betont.
Das einzig "besondere" am Wildbret ist seine überragende Qualität und der
kaum zu übertreffende Wert für unsere Ernährung.
Als Jäger und Koch
in einem Hotel für anspruchsvolle Gäste und Feinschmecker höre ich immer
wieder von einigen wenigen Gästen, dass sie den "strengen" oder "wildtypischen" Geschmack
nicht mögen, oder dass Wild "zu trocken" sei. Der "Geschmack" von Wild ist
bei manchen Menschen bedauerlicher Weise negativ belegt - so lange, bis es
mir gelingt, doch noch ein Wildgericht zu servieren. Dann essen sich diese
Skeptiker oft durch unser ganzes Wildbretangebot und werden zu
Werbebotschaftern für die Wildküche. Aus diesem Grund muss ich ein paar
Anmerkungen zum Thema Wildbretzubereitung an dieser Stelle machen. Die
Ausdrucksweise soll bewusst provokativ gehalten sein, denn nur so
bleiben diese Grundempfehlungen in Ihrem Gedächtnis haften.
Bevor Sie nicht absolut perfekt in der Wildküche sind, sollten
Sie
unbedingt alles unterlassen, was in schlechten Kochbüchern steht, von
"guten Freunden" angeraten wird, oder aus sonst einer Quelle stammt und mit
beizen, marinieren, spicken
empfohlen wird. Mit dieser oft obligatorischen Anfangsbehandlung kann
das gesamte Wildbret bereits so ausgelaugt und verdorben werden,
dass nicht einmal der Hund
es noch frisst.
Die Herkunft dieser scheinbar unausrottbaren Empfehlungen stammt aus
alten Kochbüchern aus einer Zeit, als die technischen Voraussetzungen
für eine hygienisch einwandfreie Fleischreifung des Wildbrets noch nicht
vorhanden waren. Man wusste, dass das meiste Wildbret, genau so wie das
Rindfleisch für Steaks, abhängen musste.
In der
gekühlten Wildkammer sollte das Wild mindestens 3 - 4 (besser 5 -
6) Tage abhängen. In diesem
Zeitraum wird im Wildkörper Glykogen, die muskeleigene Energiereserve,
abgebaut und in Milchsäure umgewandelt. Dieser Prozess wird als
"Fleischreifung" bezeichnet. Auf das Abhängen des Wildbrets darf auf keinen
Fall verzichtet werden, denn nur dadurch wird das Fleisch zart. Ungenügend
abgehangenes Wild ist, unabhängig vom Alter, immer zäh.
Das Wildbret muss also "abhängen" und so die Entwicklung von zäh
nach zart durchmachen, aber mangels Kühlvorrichtungen bei unseren
Vorfahren ging dann oft parallel mit der Fleischreifung der
Fäulnisprozess einher - das
Wildbret stank
ganz einfach. Wenn Menschen stanken, dann rümpfte man die Nase - und erfand
das Parfum. Wenn Wildbret stank, dann war das edel (man nannte das
Hautgout)
- sprich "Oguu"
- und man erfand das
Beizen,
um den
Fäulnisgestank zu übertünchen. Wild
war dann halt nur etwas "streng" im Geschmack aber immer noch
"edel".
Angeblich
gehörte zum Wild dieser "wildtypische" Geschmack. (Ich glaube, dass "Parfum" und "Hautgout" zwei Begriffe französischer
Herkunft sind, wobei Hautgout wörtlich übersetzt sogar noch "hoher Geschmack" heisst.)
Unser Wildbret vom Jäger stinkt nicht, schmeckt nicht streng und bietet
keinen Anlass, durch obligatorisches beizen verdorben zu werden. In den
nachstehenden Ausführungen können Sie fast immer das Wort "Wildbret" einfach
durch den Begriff "Fleisch" ersetzen
Grundsätzlich ist die Zubereitung von Wild
nicht schwieriger als die vom
Rind, Zuchtschwein oder Geflügel. Wer sich in der Küche ein wenig
auskennt und auch einen einfachen Braten zubereiten kann, der kann auch ohne
Weiteres ein Stück Wild hervorragend anrichten.
Beispiel: Der küchenfertige und portionierte Wildbraten ist kurz vor dem
Anbraten mit Salz zu würzen und ggf. mit Öl einzureiben, und kurz bei hoher
Temperatur scharf anzubraten, bis der Braten eine gute Bräune hat. Ich mache
das in einer grossen Bratpfanne mit etwas Speiseöl. Alle anderen
Gewürze sollten erst nach dem Anbraten zugefügt werden, weil sie sonst
verbrennen können oder ihren Geschmack verändern. Dann kommen die üblichen
Zutaten in den Bräter - meistens habe ich den so vorbereiteten Bräter schon
im vorgeheizten Backofen - und dann wird der Wildbraten obenauf gelegt. Noch kurze Zeit bei
Oberhitze für die letzte Bräune, dann mit Flüssigkeit ablöschen und zudeckeln oder mit Alufolie abdecken. Bei maximal 170° – 180° kann
der Braten dann im Ofen weiter garen. Nach der halben Garzeit kann die
Temperatur dann auf ca. 150° abgesenkt werden, bis 75° – 80°
Kerntemperatur erreicht sind. Allgemein sind die Garzeiten natürlich von der
Größe des Stückes Fleisch abhängig.
Geschmortes Fleisch sollte vor dem Verzehr noch ca. 10 bis 15 Minuten im
abgeschalteten - aber noch warmen Ofen ruhen und ziehen. Dadurch entspannen
sich die Fleischfasern und der Bratensaft verbleibt im Wild.
Es ist überhaupt nicht
schwierig Wild überall dort zu verwenden, wo man sonst auf das Fleisch von
Rind oder Schwein zurückgreift: für Kurzgebratenes (Steaks etc.), Gulasch,
Sauerbraten ja selbst zum Grillen eignet es sich hervorragend.
Sie sehen, alles ist ganz einfach.
Als
Jäger und Koch habe ich einmal das Internet nach
Zubereitungsempfehlungen
für Wildbret durchstöbert. Es ist erschreckend, wie
offensichtliche Jagdgegner
sich mit sogenannten "Rezepten" verbreitern, die nichts anderes im
Sinn zu
haben scheinen, als dem Verbraucher den Geschmack am Wildbret zu
vergrämen.
Jede erfahrene Hausfrau weiss, dass jede Art von Fleisch durch Einlegen
in
Säure (z.B. Buttermilch) oder Alkohol (z.B. Rotwein) bestenfalls
ausgelaugt wird,
aber keinesfalls zarter gemacht wird. Man weiss, dass ein Steak, dass seine
Fleischreife durch Abhängen nicht bekommen hat, zäh bleibt und durch
keinerlei Beize zart gemacht werden kann. Warum sollte es bei Wildbret
anders
sein! Von Ihrem Jäger werden Sie nur gut und vorschriftsmässig
abgehangenes
Wildbret bekommen. Dann wird immer über einen "wildtypischen" Geschmack"
gefaselt - natürlich negativ belegt - das ist dummes Zeug! Genau so
könnte man
über den "typischen" Geschmack von Eiern oder Tomaten reden.
Wenn Ihr Wildbret "streng" riecht oder zäh ist, dann sollten Sie es
bestenfalls
Ihrem Jäger zurückgeben, Wenn es sich bei so minderwertiger Qualität
nicht
um ein einmaliges Missgeschick handelt, dann ist dieser Jäger nicht wert,
dass
er eine Büchse führt - eine Mitteilung an dieses Forum, und er wird aus dem
Verzeichnis der Anbieter entfernt. In der Regel ist jedoch das echte
Wildbret
vom Jäger ein Qualitätsprodukt, wie Sie es besser nirgendwo bekommen.
Keine Qualitätsgarantie haben Sie jedoch bei kommerziell vermarktetem Wild
aus Zuchtbetrieben aus Übersee oder bei Angeboten aus Trophäen-
und
Hetzjagden von meistens in den Ostblockstaaten angesiedelten
Jagdveranstaltern. Das Wild, das dort lediglich zu dem Zweck abgeknallt
wird,
um mit seinen Trophäen heimische Wände zu zieren, wird nach der Jagd selten
so versorgt, dass das Wildbret unseren Ansprüchen genügt. Aber genau dieses
Wildbret finden Sie überwiegend in den Tiefkühltruhen der Verbrauchermärkte.
Also: Wildbret vom Jäger - und Sie sind auf der richtigen Seite.
In diesem Forum werden Sie noch diverse Rezepte und Tipps für die
Zubereitung von edlem Wildbret - entweder vom Autor dieser Seiten, durch
interessante Rezepte von Lesern, oder durch Links auf Rezeptseiten anderer
Autoren im Internet erhalten.
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